Die evangelisch-lutherische Gemeinde in Freiburg entsteht 1869. Pfarrer Max Frommel - zu dieser Zeit einziger Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinden im Großherzogtum Baden - beginnt in Freiburg zunächst damit, einem kleinen Kreis lutherischen Bekenntnisses Abendpredigt mit Sakramentsverwaltung zu halten. Die Gottesdienste finden in der Wohnung des Kunstmalers Lederle statt, die sich mit zunehmender Zahl der Gemeindeglieder schon bald als zu klein erweist.

Erst als durch Erlass des Großherzoglichen Ministeriums für Justiz ”den hier domicilirenden lutherischen Familien die Mitbenutzung des der anglikanischen Gemeinde überlassenen ehemaligen Schwurgerichtssaales im Amtsgerichtsgebäude an der Kaiserstraße zur Durchführung der etwa alle sechs Wochen stattfindenden Gottesdienste gestattet” wird, entspannt sich für lange Zeit die Raumsituation.

Im Herbst 1893 kündigt das Staatsministerium für Justiz wegen Eigenbedarfs den Vertrag über die Mitbenutzung des Schwurgerichtssaales - die Gemeinde wird wieder obdachlos.
Da erklärt sich ein hochherziges Glied der Freiburger Gemeinde, Frau Betti Fischer, bereit, die Mittel für den Bau einer eigenen evangelisch-lutherischen Kirche in Freiburg zu stiften, wenn die Gemeinde nur das Grundstück und die erforderliche Innenausstattung beschaffen könne.
Als dies sichergestellt ist, wird Mitte 1894 mit dem Bau begonnen. Bis zur Fertigstellung findet die Gemeinde vorübergehend Zuflucht im Evangelischen Vereinshaus.
Das Grundstück für die Kirche "in den Anlagen an der Stadtstraße neben dem alten Friedhofe" überlässt die Stadt Freiburg der lutherischen Gemeinde - dank des entschiedenen Eintretens von OB Dr. Winterer und des Stadtverordneten und Fabrikanten Carl Mez - kostenlos zur unwiderruflichen Nutzung.
Der Bau wird dem Architekten und Bauunternehmer Friedrich Ploch übertragen. Er erfolgt ”nach den von F. Ploch gefertigten Plänen & Kostenanschlag um die runde Summe von 30.000 Mark schlüsselfertig”.
Die Grundsteinlegung erfolgt am 14.10.1894. Die Urkunde wird "rechts von der Kirchentür auf der südlichen Seite versenkt". In ihr heißt es u.a.: "In diesem Kirchlein soll das Wort Gottes lauter und rein verkündet und sollen die Heiligen Sakramente laut Einsetzung des Evangeliums gereicht werden."
Das Kirchengebäude - im Inneren 9 m breit, über 8 m hoch und mit der Apsis fast 20 m lang – ist ein Langhaus mit fünfseitiger Apsis in gotischem Stil. Der Giebel ist von einem Türmchen mit Kreuz gekrönt, welches die Glocke aufnimmt. Das Dach ist mit bunt glasierten Ziegeln gedeckt, auf dem Langhaus mit Kreuz, über der Apsis mit Kreuzblume geschmückt.
Sechs Doppelfenster im Schiff und drei in der Apsis sorgen für das nötige Licht. Außerdem ist die Giebelseite mit einer größeren Rosette und zwei schmalen Spitzbogenfenstern über dem Portal sowie zwei kreisrunden Lichtöffnungen neben demselben interessant gegliedert. Die Fenster fertigt die Freiburger Glasmalerei Helmle & Merzweiler.


Das Kirchenportal trägt gotischen Aufbau mit Kreuzblume und Dreipass. Das Relief über der Eingangstür, welches den Guten Hirten zeigt, ist eine Arbeit des bekannten Freiburger Bildhauers Julius Seitz, der auch die heute gegenüber dem Eingang stehende überlebensgroße Christusfigur (ursprünglich als Grabdenkmal für Betti Fischer) geschaffen hat.

 

 

Die Glocke aus Stahlguss mit einem Durchmesser von 63 cm (Gewicht 107 kg) wird vom Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation geliefert. Sie trägt die Aufschrift "Ehre sei Gott in der Höhe".

Von der Innenausstattung werden die Kanzel und der Altaraufsatz - prachtvoll aus Eichenholz geschnitzt - von der Kunstanstalt G. Kuntzsch in Wernigerode/Harz geschaffen. Sie sind ein Geschenk unserer badischen Schwestergemeinden.

Altartisch und Gestühl stammen von der Freiburger Schreinerei Ph. Stadler. Die Altarrückwand ist mit Schubladen, Fächern, einem Schrank sowie einer ausziehbaren Tischplatte ausgestattet, damit der Raum hinter dem Altar als Sakristei genutzt werden kann.

Das Altarbild in der Mitte, eine Kopie des bekannten Kruzifixus von Peter Paul Rubens, wird von der Kunstmalerin Kamman aus Hannover gemalt und gestiftet. Die beiden Seitenbilder, Kopien der 1526 von Albrecht Dürer für das Nürnberger Rathaus gemalten Vier Apostel, kommen erst 1913 hinzu; sie sind das Geschenk der Eltern einer damaligen Konfirmandin. Die Originale dieser Bilder befinden sich im Louvre in Paris (Kruzifixus) bzw. in der Alten Pinakothek in München (Vier Apostel).


Der Taufstein, ebenfalls von Julius Seitz geschaffen, trägt auf einem stilisierten Schriftband eingemeißelt, die Worte: ”Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeiget, daß wir Gottes Kinder sollen heißen”.

Die Orgel in schönem gotischen Gehäuse - mit sechs klingenden Registern, verteilt auf 5 Manuale und ein Pedalregister - baut der Freiburger Orgelbaumeister August Merklein.

Am ersten Sonntag im Oktober, dem 6.10.1895, wird die neue evangelisch-lutherische Kirche in der Stadtstraße (die erst 1925 den Namen ”Erlöserkirche” erhält) im Beisein ”Ihrer Königlichen Hoheiten, des Erbgroßherzogs von Baden und dessen erlauchter Gemahlin” feierlich geweiht. Pfarrer Scriba aus Ispringen vollzieht die Weihehandlung und Prof. Seeberg aus Erlangen hält die erste Predigt in dem neuen Gotteshaus.

Pfarrer Herbert Reich wird an diesem Tag und in diesem Gottesdienst als erster selbständiger Pfarrer der Freiburger Gemeinde eingeführt.

1905 beschließt die Gemeindeversammlung den Anbau einer Sakristei, die bis dahin provisorisch hinter dem Altar untergebracht war. Die Kosten von rund 4000 Mark werden "als Dankopfer für den Segen, den Gott der Herr der evangelisch-lutherischen Gemeinde Freiburg in den 10 Jahren ihres selbstständigen Bestehens geschenkt hat", durch Spenden von der Gemeinde aufgebracht.
Die neue Sakristei wird an die südliche Seite des Chors angebaut und dem Stil der Kirche angepasst.
Das dritte Fenster in der Apsis geht dabei verloren. Der Bau wird, wie seinerzeit der Bau der Kirche, wieder dem Architekten und Bauunternehmer F. Ploch übertragen.
Die Grundsteinlegung erfolgt am 28.07.1905. Die Urkunde wird im nordöstlichen Sockelgurt-Eckstück unter dem ersten Eckquader versenkt. Die Weihe und Inbetriebnahme der Sakristei mit dem in derselben errichteten Altar findet am 24.09.05 statt, gefolgt vom zehnjährigen Kirchweihfest am 15. Sonntag nach Trinitatis, dem 01.10.1905.

1908 wird eine mit Spenden finanzierte Gedenktafel für Frau Betti Fischer, die Stifterin unserer Kirche, zu ihrem ersten Todestag an der rechten Kirchenwand (gleich nach dem Eingang) angebracht.

1913 stiften ehemalige Konfirmanden ein weiteres Manual für die Orgel.

1920 wird eine Gedenkplatte mit den Namen aller im ersten Weltkrieg gefallenen Gemeindeglieder in den Boden vor dem Altar eingelassen. Eine Replik dieser Platte findet sich heute links vom Altar direkt vor der Kanzel.

1935/36 werden umfangreiche Erneuerungsarbeiten am Kirchengebäude durchgeführt, die durch Spenden finanziert werden.

Bei dem verheerenden Fliegerangriff auf Freiburg am 26. November 1944 sowie einem weiteren Angriff am 28. Februar 1945, der vor allem Herdern trifft, wird die Kirche stark beschädigt: Das Dach wird völlig abgedeckt. Sämtliche Fenster sind zerstört, der Altar ist schwer beschädigt, der Innenraum muss völlig neu verputzt werden und das Innere der Sakristei bedarf einer totalen Erneuerung. Und auch die Orgel ist stark in Mitleidenschaft gezogen. Es dauert Jahre, bis all diese Schäden mit enormen Kosten und viel Eigenleistung völlig beseitigt werden können.

Die Kosten für eine dringend erforderliche Orgelreparatur können von der Gemeinde nicht aufgebracht werden, so dass ab 1954 ein Harmonium als ”Orgelersatz” dienen muss. Eine Spendensammlung zur Finanzierung der Reparaturen wird eingeleitet.

Eine nochmalige Überprüfung der Orgel ergibt, dass eine Reparatur vernünftigerweise nicht mehr in Frage kommt. Deshalb bestellt die Gemeinde, obwohl die ”Orgelsammlung” bis dato erst knapp 10.000 Mark erbracht hatte, bei der Fa. Weißenborn in Braunschweig eine Schleifladenorgel mit 14 Registern, wie sie nach den Gutachten mehrerer Sachverständiger für uns am empfehlenswertesten ist. Sie kostet rund 16.000 Mark, die letztlich ganz durch Spenden aufgebracht werden können.
Vor dem Einbau der Orgel, die am 3. März 1957 in einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht wird, war der Innenraum der Kirche, soweit erforderlich, renoviert worden.

1971 wird die Glocke der Erlöserkirche, die seit 1895 unverdrossen ihren Dienst getan hat, durch zwei in der Karlsruher Glockengießerei Bachert gegossene kleine Bronzeglocken (57 kg und 95 kg schwer) ersetzt. Sie werden im Osternachtsgottesdienst geweiht. Die alte Glocke wird der Bleckmarer Mission zur Verwendung in Südafrika kostenlos überlassen.
Die größere der beiden neuen Glocken trägt als Glockenzier das Zeichen des Kreuzes auf der Schlange, was sagen will, dass der gekreuzigte Christus dem Teufel die Macht genommen hat. Die kleinere Glocke trägt das Symbol des Kreuzes vor der aufgehenden Sonne und den Ruf der Osternacht: ”Resurrexit!” (”Er ist auferstanden!”).

1973 wird mit der dringend erforderlichen Renovierung des Kirchenraums begonnen: Instandsetzung der Heizungsanlage und der elektrischen Installationen, Verkürzung des Kanzelsockels, Versetzen des Taufsteins sowie ein neuer Innenanstrich.

1975 wird durch die Endinger Orgelbaufirma Fischer & Krämer eine größere Reparatur an unserer Orgel durchgeführt.

1977 werden zum Abschluss der Renovierungsarbeiten die nach dem Krieg eingebauten provisorischen Fenster im Kirchenschiff erneuert.

1982 ist eine weitere Orgelrenovierung erforderlich. Sie wird wieder von der Orgelbaufirma Fischer & Krämer vorgenommen.

1984 erhält die Gedenkplatte vor dem Altar mit den Namen der im Krieg 1914/18 gefallenen Gemeindeglieder die zusätzliche Inschrift: ”Zum Gedächtnis der Opfer des Krieges 1939-1945”.

1996 erneute Orgelreparatur. Umbau und Verlegung der Toilettenanlage.

1998 behutsame Restaurierung der drei Altarbilder.

2004 wird der Innenraum der Kirche von Grund auf renoviert und in Teilen umgestaltet. Eine moderne Fußbodenheizung wird eingebaut und als Fußboden werden Natur-Schieferplatten verlegt. Die Beleuchtung wird völlig erneuert und eine neue Lautsprecheranlage mit Induktionsschleife (für Hörgeräte) genügt jetzt höchsten Ansprüchen. In diesem Zusammenhang wird die Orgel der veränderten Akustik (Schieferplatten statt Nadelfilz-Teppichboden!) durch umfangreiche Intonationsarbeiten angepasst.
Festliche Wiedereinweihung der seit langem unter Denkmalschutz stehenden Erlöserkirche am 25. Juli, offizielle Einweihung der Orgel mit einer Orgelvesper an Michaelis am 29. September 2004.

Eine Neugestaltung der Außenanlagen ist je nach Kassenlage für die nähere Zukunft vorgesehen.

(Dr. Michael Heim, Denzlingen)